biohacking diy: transhumane form

flattr this!

letztes jahr berichtete ich ja schon einmal über biohacking im zusammenhang mit diy (do it yourself). am 30.12. bin ich dann bei wired.com auf einen lesenswerten artikel über lepht anonym gestossen, eine „biohackerin“, die sich selbst chips und sensoren unter die haut operiert und somit diy par excellence betreibt ist:

anonym is a biohacker, a woman who has spent the last several years learning how to extend her own senses by putting tiny magnets and other electronic devices under her own skin, allowing her to feel electromagnetic fields, or — if her latest project works — even magnetic north. since doctors won’t help her, she does it in her own apartment, sterilizing her equipment (needles, scalpels, vegetable peelers) with vodka. good anesthetic is largely impossible to buy, so she screams a little, and sometimes passes out. but it’s worth it, for what’s on the other side. (quelle)

lepht anonym bloggt über ihre erfahrungen und hat beim 27. chaos communication congress (27c3) einen vortrag gehalten, den man sich übrigens auch noch im video herunterladen bzw. anschauen kann.

this is diy transhumanism, the fringe of a movement that itself lies well outside the mainstream of philosophy, ethics, technology and science. (quelle)

auf youtube gibt’s eine kurze einführung in den transhumanismus:

diy-biologie: heute schon ein gen gehackt?

flattr this!

diy-biologie: heute schon ein gen gehackt?

das leben als code zu schreiben kam den meisten leuten wohl suspekt vor, als anno 2000 die menschliche genomsequenz vorgestellt wurde.

seitdem hat sich allerdings in den life sciences (speziell in der synthetischen biologie, der systembiologie und der kybernetik) viel getan. ich finde ein extrem spannendes thema in der do-it-yoursel-biologie (diy)ist hier das bio-hacking, also der versuch geräte, dienstleistungen und methoden aus dem professionellen life-science-umfeld für private explorative forschung anzuwenden.

was also macht ein bio-hacker?

nun, ganz ähnlich dem computer-hacker, der computer soft- und hardware untersucht und modifiziert, versucht der bio-hacker den aufbau und die wirkweise von genen zu verstehen, nachzuvollziehen, sie zu extrahieren und zu modifizieren. all dies geschieht mit recht simplen bordmitteln – wobei simpel hier wohl im auge des betrachters liegt. den meisten biohackern reicht zu anfang ein laptop, bekannte dna-informationen und viel zeit. soll das ganze über die simulation am rechner hinausgehen gibt es mittlerweile equipment, das einem die ersten gehversuche daheim ermöglicht, so z.b. der mail-order versand synthetischer dna, das eppendorf-reaktionsgefäß, elektrophorese-scanner und dergleichen.

wer sich näher mit dem thema beschäftigen will, dem sei an dieser stelle die folge cre143 vom chaosradio express an’s herz gelegt. hier sprechen tim pritlove und lis thalheim über erkenntnisse und aktivitäten in diesem Feld.

unter anderem geht es im gespräch um: bio communities, die standards-parts-datenbank, der stand der technik, gene extrahieren und analysieren selbst gemacht, wie man alkoholismus und vielleicht auch internetsucht genetisch nachweisen kann, “hallo welt” auf genetisch, dna-analyse und forensik, singende bakterien, kulturelle auswirkungen und gesellschaftliche fragen.

auch auf youtube gibt es eine gute einführung in 6 teilen von chris seidel.

sicher sind die motivationen von mensch zu mensch verschieden, bei den meisten dürfte aber wohl die explorative und forscherische neugier dahinterstehen. da man aber nicht immer vom guten im menschen ausgehen kann, sei hier gesagt: die meisten konzepte sind bislang wahrscheinlich demos im laborzustand, und es ist anzunehmen, dass noch jahre vergehen werden bis das ganze in den prototypenstatus übergeht. mehr dazu kann man übrigens im technology-review blog von niels boening lesen.

zum abschluss ein paar wichtige fragen (auch abseits der sicherheit), die christian heller mal in einem blog-eintrag formulierte:

Welches Rechtsmodell entwickelt man für DNA-Code? Mit der Patentierbarkeit läuft es eher nicht so gut, derzeit werden schon alle niedrigeren funktionalen Abstraktionen für Gencode wegpatentiert. Aber auch andere Rechtsmodelle, vom Copyright bis zur Public Domain, bringen so ihre Problemchen mit sich, vielleicht muss man ein ganz eigenes Modell für die Sache entwickeln.

Oder: Wie kann man Biohacking überhaupt zu einem dezentralen Massensport anwachsen lassen? Es geht ja nicht nur ums Hin- und Herschieben der Buchstaben A, C, G und T in einer Textdatei, sondern auch ums Kompilieren. Das Drucken von Gencode in chemischer Form mittels eines “DNA-Synthesizers”. Da wäre doch ein USB-Synthesizer toll, mit dem man die Organismen direkt vom eigenen Laptop runterdrucken kann. Momentan geht der Trend beim Synthesizing leider eher in die gegenteilige Richtung, zur Zentralisierung in Großinstitutionen. Wie kann man den DNA-Synthesizer zu einer “publically available technology” machen?

man darf gespannt sein – auf die beantwortung und die weiteren entwicklungen auf diesem gebiet…