spieltrieb

ich bin weder physiker, noch informatiker, chemiker, mathematiker, astronom, literat oder künstler. ich bin noch nicht einmal überdurchschnittlich kreativ oder intelligent. dennoch macht es mir immensen spass mich im rahmen meiner recht begrenzten fähigkeiten mit verschiedensten themen aus all diesen gebieten auseinander zu setzen. dabei geht es mir vornehmlich um das verstehen, das hinterfragen, aber auch um das fortführen in den eigenen gedanken.

tatsächlich nehme ich an, dass der spieltrieb eine der grundlegenden kräfte nicht nur in den klassischen kreativberufen ist, sondern vor allem auch in der wissenschaft. mal vom spass abgesehen, den man einfach haben muss um sich einem bestimmten thema monate- oder gar jahrelang zu verschreiben, sollte man einen gesunden spieltrieb mitbringen um probleme immer wieder so lange herumzudrehen bis sie einem einen ansatzpunkt für eine lösung bieten. ich merke es bei mir persönlich immer wieder, dass mir eine gehörige portion spieltrieb innewohnt die mich permanent dazu animiert mich mit den unterschiedlichsten (manchmal auch entfernten) dingen zu beschäftigen. in der tat würde ich mich mittlerweile zu einem nicht unbedeutenden teil als nerd bezeichnen. was liegt also näher, als sich einmal genauer mit dem spieltrieb zu beschäftigen.

in der annäherung an das thema lässt sich zunächst einmal feststellen, dass spielen so ziemlich zu den ältesten kulturtechniken gehört die wir kennen. freilich haben wir das spielen nicht erfunden, diverse tierarten beherrschen es (oder ähnliche aktivitäten). bevor wir uns aber zur komplexen, sprechenden, schreibenden, lesenden lebensform entwickelten, bildeten wir uns zum homo ludens heraus, dem spielenden menschen. dieses erklärungsmodell des menschen konstatiert, dass der mensch seine fähigkeiten über das spiel entwickelt hat. genauer gesagt, entdeckt der mensch seine eigenen eigenschaften und fähigkeiten durch das permanente und uneingeschränkte erweitern seiner handlungen nach dem trial and error prinzip. die voraussetzung für diese erweiterung und ausnutzung des handlungsspielraumes ist die fähigkeit des denkens und rekombinierens von gelerntem bzw. die permanente einordnung von erlerntem in neue kontexte. obwohl übrigens das konzept des homo ludens letztlich durch johan huizinga bekannt wurde, geht es doch schon auf friedrich schiller zurück der ganz vortrefflich formulierte:

der mensch spielt nur, wo er in der vollen bedeutung des worts mensch ist, und er ist nur da ganz mensch, wo er spielt.

johan huizinga fasst den spielbegriff allerdings etwas weiter (und provoziert dadurch bewusst), indem er viele der kulturellen leistungen des menschen (tanz, musik und literatur, religion, rechtssystem, kriegsführung) aus dem kämpferischen wettstreit herleitet. wie dem auch sei, das spielen ist ein prinzip, was bereits sehr früh auch bewusst z.b. als vermittlungstechnik anwendung fand, wie gilbert highet in the art of teaching (s. 194) feststellt:

the best renaissance teachers, instead of beating their pupils, spurred them on by a number of appeals to the play-principle. they made games out of the chore of learning difficult subjects—montaigne’s father, for instance, started him in greek by writing the letters and the easiest words on playing cards and inventing a game to play with them.

für mich persönlich liegen im spiel einige faktoren die sich für mein eigenes denken für unabdingbar erwiesen haben. aus der verbindung von neugier, interesse, abstraktion, motivation (belohnung, oftmals durch erkenntnis in irgendeiner form), herausforderung, analyse, improvisation, beurteilung, konzentration, geduld, rückschlag und erfolg erwächst eine durchaus treibende kraft.  und ich denke es dürfte nicht nur mir so gehen, wie ich immer wieder beispielsweise bei forschern, hackern, nerds, und “baustlern” feststellen kann.

irgendwann wird es sicher auch einmal zeit sich an dieser stelle mit eben jenen gruppen im einzelnen zu beschäftigen. dazu jedoch später mehr.

let’s play.